Hochhäuser sind ein Risiko für die persönliche Sicherheit

von Norbert Rheinlaender

Hochhäuser werden mit hohen Risiken für den Menschen gebaut und betrieben und sind deshalb sehr anfällig: Sie fallen auf ihre Rettungskonzepte zurück, die allerdings im Notfall nicht immer funktionieren (verwiesen sei auf den Brand im Hochhaus in London).

  • Stromausfall: Damit funktionieren fast alle Rettungsmöglichkeiten nicht mehr (Kontakt mit dem Hauswart, Aufzüge, Licht in den Räumen und im Treppenhaus, u.ä.). Notstromaggregate sind wegen seltener Überprüfungen manchmal im Notfall nicht betriebsbereit. Wegen der Abhängigkeit fast aller eingebauten Sicherheitssysteme ist deshalb die Abhängigkeit der Rettungsmöglichkeiten von der funktionierenden Stromanlage enorm hoch!
  • Lüftungsanlage: Hochäuser sind geschlossene Systeme und können deshalb nur mit künstlichen Be- und Entlüftungsanlagen betrieben werden. Dafür müssen die Fenster geschlossen bleiben. Die erwärmte bzw. im Sommer gekühlte Frischluftzufuhr muss immer(!) gewährleistet sein, genauso wie die Absaugung der verbrauchten Atem- und durch die Sonne erhitzten Luft (im Winter durch die Heizung). Im Brandfall müssen die Rauchmelder ansprechen, gekoppelt den Brandalarm auslösen und eine zusätzliche Rauchentlüftung anspringen. Alle Anlagen sind abhängig vom Strom!
  • Aufzüge und Treppenhäuser: als Sicherheitsräume und Fluchtmöglichkeiten nur bedingt tauglich, da Aufzüge i.d.R. im Brandfall nicht benutzt werden dürfen. Bei hohen Häusern ist der Weg über Sicherheitstreppenhäuser für behinderte, hochaltrige und ganz junge Personen wegen der Stolpergefahr und der für diese langen Wege benötigten Zeit ein besondres hohes Risiko!
  • Brandfall: Im Brandfall tritt zuerst eine starke Rauchentwicklung auf. Eine Kohlenmonoxydvergiftung ist damit sehr wahrscheinlich (Kohlenmonoxyd kann der Mensch nicht sehen und riechen!). Wegen der Paniksituation ist das Verhalten der Bewohner bzw. Nutzer nicht immer notfall„plan“gerecht (= kopfloses Vorgehen, da nicht unbedingt prioritätengerecht. Meist bestimmt das Verhalten die Überlegung: was muss ich unbedingt mitnehmen? Das kostet Zeit, die im Extremfall für die sichere Rettung fehlt.)
  • Erreichbarkeit und Rettungskonzepte: Aufzüge und Sicherheitstreppenhaus (Beispiel: World Trade Center). Beschäftigt man sich mit den Rettungsversuchen durch Angestellte im WTC und durch Feuerwehrleute, findet man viele hilflose, oft aussichtslose Versuche, dem Notfall zu entkommen (Angestellte schlugen Fenster ein und sprangen aus dem Hochhaus!).
  • Altersabhängigkeit und Rettungsmöglichkeiten: mit zunehmendem Alter wird der Körper anfälliger. Die Reaktionen werden langsamer, die Konzentration und die Beweglichkeit läßt nach. Während Jugendliche und junge Erwachsene schnell reagieren können, brauchen ältere Menschen mehr Zeit für adäquate Reaktionen. Im Rettungsfall sind viele von ihnen, vor allem Hochaltrige, auf Hilfspersonal oder Technik (Telefon, Handy o.ä.) angewiesen.
  • Extreme Materialbeanspruchung kann mit den Jahren zu Materialermüdung führen, weil die Flexibilität, Elastität und Biegsamkeit nachlassen und eher zur Bruchgefahr neigen. Bedingung ist allerdings, dass die eingesetzten Handwerker mit der notwendigen Sorgsamkeit die Verarbeitung (nach den Regeln der handwerklichen ‚Kunst‘ = DIN-Normen) und auch die Dichtigkeit der Fugen gewährleisten.
  • Statik und Anfälligkeit: Jedes Hochhaus im bauaufsichtlichen Sinne (ab 8 Stockwerke) benötigt für die Baugenehmigung ein Sicherheitstreppenhaus. Die Statik brechnet die Beanspruchungen durch Hitze-, Kälte-, Sturm-, Erschütterungs- und Brandverhalten des Gebäudes ein. Sicherheitsgläser sind ebenfalls nachzuweisen, die Befestigungen der Bauteile müssen ortsüblichen Stürmen standhalten. Jedes eingebaute Material muss von ausgebildeten Handwerkern nach festgelegten DIN-Vorschriften verarbeitet werden und wird von öffentlich bestellten Prüfstatikern überprüft.
  • Abriss und Beseitigung der Rohstoffe: höhere Hochhäuser werden i.d.R. durch Sprengung statt Abtragung und Zerlegung in getrennte Materialien beseitigt. (‚urban mining‘ und Recycling). Das hat immer – trotz aller Vorsichtsmaßnhamen – unerwünschte Auswirkungen auf die unmittelbare Umgebung!
  • Links
  • London
  • Mailand

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